Stellungnahme zur Zukunft von Auslandsfreiwilligendiensten

Im Kontext der Debatte um die Bündelung der Auslandsfreiwilligendienste im Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) bezieht grenzenlos wie folgt Stellung:

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht vor, dass "alle geregelten Auslandsfreiwilligendienste" (weltwärts, kulturweit, IFJD, FSJ/FÖJ im Ausland)im Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) gebündelt werden sollen. Konkret bedeutet dies, dass das weltwärts-Programm voraussichtlich zeitnah vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an das BMFSFJ übergeben werden soll. Nachdem zahlreiche Trägerorganisationen von weltwärts Befürchtungen geäußert und sich gegen diese Umstrukturierung ausgesprochen haben, verkündete Minister Gerd Müller (BMZ) am vergangenen Donnerstag anlässlich des offiziellen Auftaktes der Süd-Nord Komponente „weltwärts ist und bleibt beim BMZ“.

grenzenlos - Vereinigung internationaler Freiwilliger stellt diesbezüglich folgendes fest:

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts hat sich insgesamt zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Insbesondere im Zuge des Follow-Up-Prozesses 2012-2013 nach der Evaluation des Programmes 2011 sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. So wurde die Mitsprache der Zivilgesellschaft im neuen Gemeinschaftswerk gestärkt, die Einführung der Süd-Nord-Komponente erarbeitet und umfangreiche Schritte zur Qualitätssicherung des Dienstes vollzogen. Dazu haben sowohl des BMZ als auch die Koordinierungsstelle weltwärts in der Engagement Global maßgeblich beigetragen.

Die Politische Interessenvertretung Internationaler Freiwilligendienste (PFIF), ein Projekt des Vereins, hat sich zum Ziel gesetzt die Diskussionskultur der Freiwilligen innerhalb der Freiwilligendienstprogramme zu stärken und für eine legitimierte Vertretung in den entsprechenden Gremien zu sorgen. Das als Lerndienst ausgerichtete Programm kann somit auch das Verständnis für demokratische Strukturen innerhalb Deutschlands stärken. Der Programmsteuerungsausschuss (PSA) des weltwärts-Programmes hat in seiner letzten Sitzung im Dezember der Etablierung einer demokratisch legitimierten Freiwilligenvertretung zugestimmt. Wir fordern die Partizipationsmöglichkeiten der Rückkehrer_innen bei der Weiterentwicklung der unterschiedlichen Programme, unabhängig von einer ministeriellen Zuordnung, auszubauen.

Die undjetzt?!-Konferenz, wird jedes Jahr maßgeblich vom Rückkehrfond des weltwärts-Programmes, indem Rückkehrarbeit eine wichtige Rolle spielt, finanziert. Bedauerlicherweise wird in den anderen Auslandsfreiwilligendienstprogrammen für Engagement nach der Zeit im Partnerland keine oder keine ausreichenden finanziellen Perspektiven zur Verfügung gestellt. Finanzierung für trägerübergreifende Rückkehrarbeit gibt es nicht, obwohl der Austausch Rückkehrer_innen unterschiedlicher Programme den Lernprozess der Freiwilligen fördert und zur Diskussion um die Weiterentwicklung der diversen Freiwilligendienste anregt. grenzenlos kritisiert die ausschließliche Förderung von weltwärts-Teilnehmer_innen durch den Fond für Maßnahmen wie die undjetzt?!-Konferenz. Da es erklärtes Ziel des Programmes ist, die Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Themen in Deutschland zu fördern, ergibt es keinen Sinn, andere interessierte Rückkehrer_innen von der Konferenz auszuschließen. Mit Hinblick auf das Programm weltwärts in Deutschland (WinD), das auch bei Engagement Global beheimatet ist, scheint es fördertechnisch bessere Lösungen zu geben. Wir fordern, dass der Stellenwert von Rückkehrarbeit bei weltwärts, auch bei einer möglichen Verschiebung des Programmes ins BMFSFJ, erhalten bleibt.

Der Verein wünscht sich mehr Transparenz bei den derzeitigen Prozessen. Denn ohne öffentliche Stimmen oder gar Stellungnahmen ist es gerade für nicht organisierte Rückkehrer_innen schwer sich zu äußern. Es kann aber nicht sein, dass hinter deren Rücken um die Zukunft der Freiwilligendienste gerungen wird und Mitsprache nur ein Lippenbekenntnis bleibt.

Stellungnahme als PDF zum herunterladen.