politische Studienfahrt - Bericht

Vom 19.-23.09.2012 nahm ich an der politischen Studienfahrt für ehemalige Freiwilligendienstleistende teil und hatte so die Möglichkeit, im Rahmen fachlich sehr guter Vorbereitung und Begleitung durch grenzenlos e.V. mit verschiedenen PolitikerInnen über das zu dieser Zeit vorgestellte Freiwilligendienstprogramm „weltwärts“ zu diskutieren.

Von 2005 bis 2006 absolvierte ich selbst einen Freiwilligendienst in Bolivien – einen sogenannten „ungeregelten Dienst im Ausland“. Eben diese oftmals nicht unpassende Bezeichnung „ungeregelt“ suchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch das 2008 eingeführte Programm „weltwärts“ aufzuheben. Das Programm, welches die Finanzierung der Freiwilligendienste zum Großteil übernimmt und ebenfalls die Dauer der Vor- und Nachbereitung, sowie die Strukturen im Einsatzland reglementiert, hatte von Beginn an das Ziel, 10.000 Freiwilligenstellen zu schaffen.

Jedoch gibt es bei all diesen positiven Überlegungen auch eine Kehrseite der Medaille und so wird das Programm –  damals wie heute – in verschiedenen Punkten kritisiert. Endsendeorganisationen fürchten um die Qualität der Einsätze, die Mitsprache der Einsatzländer und die wirkliche Intention des Programms.

Kein Entwicklungsdienst, sondern vor allem auch ein Lerndienst soll ein „weltwärts“-Dienst sein, wie BMZ Staatssekretär Erich Stahter findet. Jugendliche und junge Erwachsene können durch einen solchen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Qualifikationen erwerben, welche für ihren beruflichen Werdegang von hoher Bedeutung sind. Doch wo bleibt da die entwicklungspolitische Komponente? Wer garantiert den Bedarf seitens der Einsatzstelle und die Nicht-Subsitution lokaler Arbeitskräfte? Wie regelmentiert und durchdacht ist „weltwärts“ wirklich und in welcher Beziehung stehen das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das BMZ bei diesem Programm zueinander? All diese und noch viele weitere Fragen konnten wir direkt an die Bundestagsabgeordneten stellen und uns durch die verschiedenen Gespräche ein differenziertes Bild machen.

Besonders interessant war es für mich, die Thematik um internationale Freiwilligendienste vor einem ganz neuen Hintergrund zu betrachten. Mein Hintergrund war bisher natürlich der, den ich durch meinen eigenen Freiwilligendienst in Bolvien entwickelt hatte. Meine eigene Motivation einen solchen Dienst zu leisten, meine Erfahrungen, vielleicht auch meine Illusionen.

In der Politik haben internationale Freiwilligendienste sicherlich noch andere Hintergründe. Wie bereits genannt, verfolgt auch das entwicklungspolitische Freiwilligendienstprogramm „weltwärts“ nicht ausschließlich entwicklungspolitische Ziele. Das Lernen und die Aneignung von Kompetenzen sind ebensowichtige Faktoren. Auch die Organisation des Programms in der breiten Landschaft von sozialen Diensten, von Zivildienst bis zu professionellen Diensten als Entwicklungshelfer, spielt eine wichtige Rolle.

Über Fragen der Versicherung, der finanzielle Unterstützung oder die der Weiterzahlung des Kindergeldes konnten wir uns innerhalb der Gruppe austauschen und durch vielfältiges Lesematerial von grenzenlos e.V. informieren. Die Gespräche wurden somit sinnvoll vorbereitet und intensiv ausgewertet sowie inhaltlich durch Protokolle festgehalten. Die TeilnehmerInnenzahl war sehr angenehm, so dass die Gruppe zu einer vertrauten Runde mit gleichzeitig viel Input und vielen unterschiedlichen Erfahrungen wurde.

Alles in allem bot die politischen Studienfahrt von grenzenlos e.V. sehr interessante und bildende Tage für mich. Sie eröffneten mir einen Einblick, wie Politik gemacht wird, welche Interessen hineinspielen und wie Bundestagsabgeordnete diese präsentieren.

von Anna Frings

Dokumentation der politischen Studienfahrt zum download