Erstes Community Wochenende mit weltwärts-Alumni in Ostafrika

In Arusha, Tansania, kamen Ende Januar ehemalige weltwärts-Freiwillige und Partnerorganisationen aus Kenia und Tansania zu einem dreitägigen Community-Wochenende zusammen. Ziel war es, Erfahrungen nach dem Freiwilligendienst auszutauschen, gemeinsame Herausforderungen zu reflektieren und eine regionale Alumni-Community aufzubauen. 

Im Banana Eco Hostel am Stadtrand von Arusha sitzen an diesem Freitagnachmittag junge Menschen aus Kenia und Tansania in einem großen Kreis, lachen, erzählen und vergleichen ihre Geschichten. Alle haben einen Freiwilligendienst in Deutschland gemacht – und viele kennen das Gefühl, danach in eine Realität zurückzukehren, auf die sie kaum jemand vorbereitet hat.

Drei Tage lang ging es in Arusha, Tansania, um genau diese Zeit: das Leben nach dem Freiwilligendienst. 19 ehemalige Freiwillige und Vertreter*innen von Partnerorganisationen trafen sich Ende Januar zu einem Community-Wochenende – dem ersten dieser Art außerhalb Deutschlands.

Organisiert wurde das Treffen vom grenzenlos Community Fund, gemeinsam mit IB Kassel, JEKMA, Uvikiuta, CIVS Kenya und ehemaligen Freiwilligen aus der Region. Gefördert wurde es über Programmbegleitmaßnahmen des weltwärts-Programms.

Viel erreicht – wenig sichtbar

Schon in den ersten Gesprächsrunden wird deutlich: Viele große Herausforderungen beginnen oft nach der Rückkehr. In einer Reflexionsübung zeichnen die Teilnehmenden sogenannte Lebensbäume – mit Wurzeln für ihre Motivation und Blättern für Erfahrungen und Zukunftspläne. Danach sprechen sie in kleinen Gruppen über ihre Wege.

Die Geschichten ähneln sich erstaunlich stark. Viele berichten von Druck aus dem Umfeld, in Deutschland zu bleiben oder Geld mitzubringen. Andere erzählen von Einsamkeit nach der Rückkehr oder Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Eine Frage, die einige von ihnen kennen, lautet: „Warum bist du überhaupt zurückgekommen?“

Was dabei oft übersehen wird, sagen mehrere Teilnehmende, sei der eigentliche Mehrwert eines weltwärts Freiwilligendienstes: persönliche Entwicklung. “Früher hätte ich hier nicht sitzen können und vor Menschen reden können – heute bin ich selbstbewusst und weiß, was ich will!” erzählt Johnson aus Tansania. „Ich weiß seit dem Freiwilligendienst mein eigenes Land [Tansania] erst so richtig zu schätzen.“, fügt er hinzu. 

Viele wünschen sich deshalb mehr Anerkennung für diese Erfahrungen – und mehr Aufklärung im Umfeld zukünftiger Freiwilliger. Denn, so formuliert es der Programmleiter einer kenianischen Partnerorganisation: Es gehe nicht darum, in Deutschland zu bleiben oder Geld zu verdienen, sondern darum, neue Perspektiven zu gewinnen, zu wachsen, und sie in die eigene Gesellschaft einzubringen.

Von persönlichen Geschichten zu einer gemeinsamen Vision

Am zweiten Tag rückt die Zukunft stärker in den Fokus. In Workshops diskutieren die Teilnehmenden, wie sie ihre Erfahrungen beruflich nutzen können. In den Gesprächen wird deutlich, welche beeindruckenden Wege viele ehemalige Freiwillige eingeschlagen haben. Einige haben eigene Non-Profits vor Ort gegründet. Viele sind weiterhin eng mit Volunteering-Programmen oder ihren Entsendeorganisationen verbunden, geben Deutschunterricht oder begleiten deutsche Freiwillige vor Ort – etwa mit Swahili-Kursen oder als Gastfamilien. 

Parallel arbeiten Partnerorganisationen an der Frage, wie Alumni nach der Rückkehr langfristig begleitet werden können – ein Bereich, für den es bislang kaum Ressourcen gibt. Statt enger Begleitung schwimmen die Freiwilligen oft, fühlen sich einsam, wissen nicht wohin mit sich. Dennoch fehlt es bisher an Strukturen und Ressourcen, um dieses Engagement langfristig zu unterstützen. Ziel sollte es sein, sich auch unter Partnerorganisationen vor Ort mehr zu vernetzen, Informationen bereitzustellen, und zukünftige Generationen von Freiwilligen besser vorzubereiten – und den Druck auf Freiwillige und Ehemalige zu reduzieren.

Im Workshop zum Community-Aufbau wird schließlich deutlich, wie groß der Bedarf nach Austausch ist. Viele wünschen sich ein stabiles Netzwerk in Ostafrika – als Ort für gegenseitige Unterstützung, berufliche Chancen und gemeinsames Engagement. Die Vision, die sich herauskristallisiert: eine vernetzte Community ehemaliger Freiwilliger, die Rückkehrende stärkt und ihre Erfahrungen für gesellschaftliche Entwicklung nutzbar macht.

Ein Netzwerk nimmt Gestalt an

Am letzten Tag wird es konkret. In Arbeitsgruppen legen die Teilnehmenden fest, wie ihre Zusammenarbeit künftig aussehen könnte. 

Geplant sind mindestens sechs Online-Treffen – wie z.B. Deutschlernen oder Kochabende, koordinierende Ansprechpersonen, z.B. für Events und Onboarding neuer Mitglieder, und die Ansprache von Ehemaligen in weiteren Ländern in der Region. Eine besondere Rolle wird dabei Charity Jonas als Global Ambassador der weltwärts Community, spielen. 

Auch ein erstes gemeinsames Projekt nimmt vor Ort Form an: Eine Broschüre mit dem Titel „Life after volunteering in East Africa“, die Erfahrungen von Rückkehrer*innen sichtbar machen soll, entsteht bis Juni 2026 im Rahmen der Programmbegleitmaßnahmen. 

Mehr als ein Wochenende

Das Treffen in Arusha markiert einen Meilenstein: Es war das erste Community-Wochenende für ehemalige weltwärts-Freiwillige außerhalb Deutschlands – und brachte erstmals gezielt Alumni und Partnerorganisationen aus Kenia und Tansania zusammen.

Vor allem aber zeigte sich, dass hier längst mehr entsteht als ein Erinnerungsnetzwerk. Viele der Beteiligten gestalten Programme aktiv mit, begleiten neue Freiwillige – und tragen ihre Erfahrungen in ihre Gesellschaften hinein.

Oder wie Kelvin aus Kenia es formulierte: “Community Aufbau ist ein Prozess. Eine Community wächst Schritt für Schritt – durch Menschen, die ihre Erfahrungen teilen und Verantwortung übernehmen”. Genau damit wurde in Arusha begonnen. Gerade weil Rückkehrende oft zwischen Erwartungen, Unsicherheit und neuen Perspektiven stehen, gewinnt diese Form der regionalen Vernetzung an Bedeutung.

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