Modellprojekt: Neue Methoden der Wirkungserfassung für weltwärts-Freiwillige

Wie grenzenlos e.V. aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, plant das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der weltwärts-Evaluation den Einsatz eines neuen Systems zur Wirkungserfassung in Freiwilligendiensten. Dabei wird den Freiwilligen vor der Ausreise ein elektronischer Chip implementiert, der zunächst physiologische Merkmale wie Pulsfrequenz, Hautleitfähigkeit, Neuronendichte und Hirnstromdruck misst. Die Daten werden in Echtzeit über Funk direkt ins Rechenzentrum des BMZ übermittelt. Mittels einer komplexen Triangulationsformel können daraus in einem zweiten Schritt Rückschlüsse auf den interkulturellen Lernprozess der Freiwilligen gezogen werden. „Damit beschreiten wir ganz neue Wege in der Wirkungsforschung“, freuen sich Albrecht Moritz und Björn Tischer aus dem weltwärts-Sekretariat, die das neuartige System konzipiert haben. Es trägt den programmatischen Arbeitstitel „Neurologisches Instrument zur Lerndiagnostik Projektspezifischer Förderungs-Effekte bei Reichen Teenagern“ (NILPFERT). An dem Modellprojekt wird eine repräsentative Stichprobe von etwa 100 Freiwilligen aus der Ausreisekohorte Sommer 2010 teilnehmen. Der hauchdünne Chip wird den ausreisenden Freiwilligen während des Vorbereitungsseminars unter lokaler Betäubung in den Oberarm eingesetzt. Die Kosten dafür tragen die jeweiligen Entsendeorganisationen (außer beim DED, dort zahlt das BMZ).

Ausgewählten BMZ-Mitarbeitern wurde der Chip bereits in mehrwöchigen Testreihen probeweise implementiert, um interkulturelle Lernerfolge im Umgang mit der Zivilgesellschaft nachzuweisen – allerdings mit niederschmetterndem Resultat: „Jetzt arbeite ich schon drei Jahre bei weltwärts, aber die Entsendeorganisationen verstehe ich immer noch nicht,“ sagte eine anonymer Proband kopfschüttelnd mit Blick auf seine Ergebnisse.

Das System scheint jedoch noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, wie findige Entsendeorganisationen herausgefunden haben wollen. Angeblich schlagen die interkulturellen Lernwerte übermäßig positiv aus, wenn sich die Freiwilligen – räumlich – näher kommen oder sich gar gegenseitig an den Oberarmen berühren. Gerüchten zufolge proben einige Entsendeorganisationen dies mit ihren Freiwilligen bereits intensiv in sogenannten "Kuschel-Qualitäts-Workshops" (Ku-Qu-Wo). Das BMZ prüft momentan, ob diese Workshops als weltwärts-Begleitmaßnahme finanziert werden können.

Doch NILPFERT dient nicht nur der Wirkungserfassung, wie grenzenlos e.V. aus vertraulicher Quelle erfuhr. Dank eines in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) entwickelten Zusatzmoduls kann das System auch genutzt werden, um weltwärts-Freiwillige zu identifizieren, die während ihres Dienstes Anzeichen einer kritischen Grundhaltung gegenüber staatlicher Entwicklungszusammenarbeit ausbilden. Entsendeorganisationen, deren Freiwillige in diesem Frühwarnsystem auffällig werden, sind in einem solchen Fall verpflichtet, diese umgehend von ihrem Dienst freizustellen, damit die Betroffenen einer besonderen Form von „pädagogischer Begleitung“ unterzogen werden können: Ex-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul leitet im Jemen ein sog. „Error-Camp“, in dem ideologisch fehlgeleitete Freiwillige in einem viermonatigen Intensivkurs zu treuen Anhängern von „Al-Dirq-ida“ umerzogen werden. Die Freiwilligen müssen sieben Mal täglich das „Minister Unser“ gen Heidelberg bzw. Rüsselsheim beten. Vor dem Gebet wird ihnen eine verwaschene Gebirgsjägermütze und eine Aldi-Plastiksonnenbrille aus den 90-er Jahren aufgesetzt. Nachts werden sie alle zwei Stunden geweckt und müssen lautstark „Hilfe zur Selbsthilfe“ skandieren und sich dabei auf die Schenkel klatschen (im Rhythmus von „We will, we will rock you!“). Unkoventionelle Methoden, doch der Erfolg scheint der Maßnahme recht zu geben: „Gestern habe ich sieben Bewerbungen bei der gtz abgegeben – tschakka!!!“ sagte eine vormals EZ-kritische Freiwillige mit leuchtenden Augen nur zwei Wochen nachdem sie das Camp durchlaufen hatte.


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